Verein Deutsche Sprache:Rücktritt nach Treffen mit Rechten
Silke Schröder, Vorstandsmitglied des Vereins Deutsche Sprache, hat an einem Geheimtreffen rechter Netzwerke teilgenommen. Nach Kritik etwa von Peter Sloterdijk hat sie ihren Posten aufgegeben.
Von Lothar Müller
An diesem Montag hat die sprachkritische "Unwort"-Aktion den Begriff "Remigration" zum "Unwort des Jahres 2023" erklärt. Dazu dürfte der in der vergangenen Woche publizierte Bericht des Recherchekollektivs Correctiv über ein Geheimtreffen zwischen AfD-Mitgliedern, Rechtsextremisten und einigen Unternehmern im November 2023 in Potsdam beigetragen haben. Auf dem Treffen wurde ein "Masterplan" vorgestellt und erörtert, der das Ziel hat, "die Ansiedlung von Ausländern rückabzuwickeln".
Der Begriff für dieses Projekt war "Remigration", rückgeführt werden sollen ausdrücklich nicht nur "Asylbewerber" und "Ausländer mit Bleiberecht", sondern zugleich "nicht assimilierte Staatsbürger". Es gab dem Bericht zufolge keine Einwände gegen das Projekt einer Massenabschiebung, lediglich Fragen zur Durchführbarkeit. Der Immobilienunternehmerin Silke Schröder etwa fiel auf, jemanden zurückzuführen, der einen deutschen Pass habe, sei "ein Ding der Unmöglichkeit".
Silke Schröder ist Vorstandsmitglied im Verein Deutsche Sprache. In Reaktion auf die Correctiv-Recherche distanzierte sich der Verein am 10. Januar "von den privaten Tätigkeiten seines Vorstandsmitglieds Silke Schröder. Insbesondere war die aktuell kritisierte Aktion von Silke Schröder weder mit dem VDS abgesprochen noch gar von diesem initiiert oder autorisiert". Der Verein beließ es bei dieser formellen Distanzierung und einer pauschalen Ablehnung von "Diskriminierungen jeder Form" und von "Aktionen, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sind". Mitterweile ist Schröder aus dem Verein ausgetreten.
Der formelle Charakter dieser Erklärung ist bemerkenswert, weil der Vorgang in der Sache das Kernthema des 1997 gegründeten Vereins berührt. Das Massenabschiebungsprojekt ist auch ein Sprachprojekt. Es will den Begriff "Remigration" zu einer politischen Waffe machen, zu einem seriösen Diskursteilnehmer an der Seite von "Refinanzierung" oder "Rekultivierung".
Der Verein Deutsche Sprache dokumentiert auf seiner Website ausführlich seine Empfindlichkeit gegen Anglizismen und gegen das Gendern. Er hat den Fall nicht zum Anlass genommen, seine Empfindlichkeit gegenüber der aktuellen Inanspruchnahme des Begriffs "Remigration" zu dokumentieren, der gute Chancen hat, zum Deckbegriff für "Deportation" zu werden.
Lang ist die - jüngst zeitweilig von der Website verschwundene - Liste prominenter Mitglieder des Vereins. Der Philosoph Peter Sloterdijk hat vor ein paar Tagen seinen Austritt erklärt und dem Verein die Verwendung seines Namens untersagt, andere Mitglieder verweisen einer Recherche des Deutschlandfunks zufolge auf die Distanzierungserklärung und vertrauen wie der Historiker Michael Wolffsohn darauf, "dass der Verein die richtigen Konsequenzen zieht".
Zu den Konsequenzen sollte die Einsicht gehören, dass es Privatsache ist, ob jemand konsequent gendert oder das Gendern ablehnt. Dass es aber keine Privatangelegenheit ist, wenn er oder sie sich an Projekten zur "Remigration" deutscher Staatsbürger beteiligt.